· 

Der Fäustling (Ukraine)

Es war einmal ein alter Mann, der ging mit seinem Hund in den Winterwald, um Holz zu hacken. Es war bitterkalt. Auf dem Nachhauseweg verlor er einen Fäustling ohne es zu bemerken.

 

Kurz darauf kam ein Mäuslein angehuscht, sah den Fäustling, schlüpfte flink hinein und piepste: „Nun habe ich ein Haus, da will ich wohnen.“

 

Bald darauf erschien ein Fröschlein und fragte: „Wer wohnt in diesem Fäustling hier?“ Die Maus antwortete: „Ich, das Mäuslein Seidennase. Und wer bist du?“

 

„Das Fröschlein Hüpfebein“, sagte der kleine Frosch. „Lass mich bitte zu dir ein!“

 

„Warum nicht! Komm nur herein!“, sagte das Mäuslein Seidennase zum Fröschlein Hüpfebein.

 

Und nun wohnten sie zu zweit im Fäustling.

 

Da kam ein Häslein und fragte: „Wer wohnt in diesem Fäustling hier?“

 

„Das Mäuslein Seidennase und das Fröschlein Hüpfebein. Und wer bist du?“

 

„Das Häslein Sauseschnell“, sagte der kleine Hase. „Lasst mich bitte zu euch ein!“ „Nun gut, tritt ein.“

 

Das Mäuslein und das Fröschlein rückten zusammen. Nun hausten sie zu dritt im Fäustling und hatten es gar warm.

 

Da kam ein Füchslein vorbei und fragte: „Wer wohnt in diesem Fäustling hier?“ „Das Mäuslein Seidennase, das Fröschlein Hüpfebein und das Häslein Sauseschnell. Und wer bist du?“

 

„Das Füchslein Bin-so-schlau. Ich bitte sehr, lasst mich zu euch ein!“ Das Mäuslein, das Fröschlein und das Häslein rückten zusammen. Und nun hausten sie zu viert im Fäustling und schauten in die Welt hinaus.

  

Da kam ein Wolf daher, machte vor dem Fäustling halt und fragte: „Wer wohnt in diesem Fäustling hier?“

 

„Das Mäuslein Seidennase, das Fröschlein Hüpfebein, das Häslein Sauseschnell und das Füchslein Bin-so-schlau. Und wer bist du?“

 

„Der Wolf Silberfell. Lasst auch mich zu euch ein!“

 

„Nun gut, soll ́s sein.“

 

Das Mäuslein, das Fröschlein, das Häslein und das Füchslein rückten zusammen. Der Wolf kletterte zu ihnen hinein und nun hausten sie zu fünft im Fäustling.

 

Da kam der Eber angelaufen und fragte: „Wer wohnt in diesem Fäustling hier?“ „Das Mäuslein Seidennase, das Fröschlein Hüpfebein, das Häslein Sauseschnell,das Füchslein Bin-so-schlau und der Wolf Silberfell. Und wer bist du?“

 

„Der Eber Hauerglatt“, sagte der Eber, „lasst doch mich bitte ein!“

 

„O weh, du bist ja viel zu dick. Du wirst nicht hineingehen.“

 

„Doch, doch, ich werde mir schon Mühe geben. Erlaubt es mir nur.“

 

„Gut, dann versuch ́s. Wir wollen dich nicht draussen stehen lassen.“

 

Das Mäuslein, das Fröschlein, das Häslein, das Füchslein und der Wolf rücktenzusammen. Und nun hausten sie zu sechst im Fäustling.

 

Da kam auch noch der Bär.

 

„Wer wohnt in diesem Fäustling hier?“, brüllte er, dass man es weit durch den Wald schallen hörte.

 

„Das Mäuslein Seidennase, das Fröschlein Hüpfebein, das Häslein Sauseschnell, das Füchslein Bin-so-schlau, der Wolf Silberfell und der Eber Hauerglatt. Und wer bist du?“

 

„Ich bin der Brummbär. Lasst mich ein!“

 

„Wir können dich nicht hereinlassen, wir haben keinen Platz.“

 

„Rückt ein bisschen zusammen.“

 

„Schön, aber mach dich nicht so breit.“

 

Und alle rückten zusammen. Der Bär zwängte sich auch noch hinein, und nun hausten sie zu siebt im Fäustling. So voll war der, dass er in allen Nähten krachte.

 

Inzwischen merkte der alte Mann, dass er seinen Fäustling verloren hatte. Er kehrte um und fing an, ihn zu suchen. Sein Hündchen lief voraus und hielt überall Umschau.

 

Auf einmal sah es, dass

 

doch der Fäustling im Schnee lag. Aber er regte sich, als wäre er lebendig. Da fing das Hündchen zu bellen an: „Wau-wau-wau!“

 

Und da erschraken die sieben Tiere im Fäustling, sprangen flugs heraus und liefen in den Wald davon.

 

Der alte Mann aber kam, hob den Fäustling auf und ging weiter, ohne irgendetwas bemerkt zu haben.


Wer unsere Winter-CD schon gehört hat, der kennt diese Geschichte bereits. In meiner Version kommen jedoch andere Tiere vor. Unter anderem auch ein Igel, der wegen seinen Stacheln - und das aus guten Gründen - zunächst nicht in den Handschuh gelassen wird.

 

Ich finde dieses Wintermärchen einfach nur wunderschön. Bereits die kleinsten Kinder können ihm gut folgen und es kaum glauben, wenn sich noch ein Tier mehr in den Handschuh zwängt. Und doch nehmen auch sie schon die wichtigste Botschaft dieser Geschichte auf: Es hat Platz für alle. So heisst auch das Lied, welches Lisa und ich zu dieser Geschichte komponiert/geschrieben haben. Und diese Message ist im Moment auch für die Erwachsenen wichtig zu hören, mit allem, was auf dieser Welt so abgeht.

 

Diese Geschichte lässt sich übrigens gut auch mit anderen Tieren erzählen oder sogar nachspielen. Man könnte sie den Kindern mit Handpuppen erzählen (so wie ich das jeweils mache) oder die Tiere z.B. kneten oder backen und dann die Geschichte spielen. Weshalb das ganze nicht auch gleich noch als Video aufnehmen und am Abend Papa zeigen? Es bieten sich unendlich Möglichkeiten diese Geschichte zu verinnerlichen. Und viele Themen die mit Hilfe dieser Geschichte besprochen werden können.

 

Viel Spass beim Ausprobieren!

Und falls du mir erzählen willst, wie ihr dieses Monatsmärchen vorgelesen/umgesetzt habt, dann schreibs mir doch in die Kommentare!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0